Besitz und Konsum

Brauchen wir all das, was wir haben?

Täglich mache ich mir Gedanken darüber, wieso es funktionieren kann, dass fast ein jeder der Milliarden Menschen auf dem Planeten ein Fahrrad oder gar ein Auto besitzt. Wenn man bei Freunden zu Besuch ist werden einem stolz die „neuen Errungenschaften“ vorgestellt. Der Nachbar ist gestern mal wieder nach Neuseeland geflogen. Es werden Millionen von Paketen versandt und zugestellt, täglich! Ist das nicht krass??!!

Natürlich ist es das, doch weiß ich noch immer nicht, ob ich deshalb auf die Menschheit stolz sein kann, weil es funktioniert in 24 Stunden ein Paket fast durch ganz Europa zu jagen, oder ob es eher traurig ist, das was von der Natur gegeben ist so radikal auszunutzen. Von der ungerechten Verteilung des Besitztums gar nicht erst zu sprechen. Man schaut um sich und bemerkt, die Meisten machen sich dazu gar keine Gedanken. „Was da ist ist da, das ist doch gut, es ist bequem es zu nutzen“. Doch was macht es möglich, dass dies funktioniert? Ich glaube kaum, dass die Mehrheit der Menschen die von diesen Angeboten profitieren, einen Teil dazu beiträgt, denn für die Meisten ist es ja selbstverständlich. Doch wenn man sich das mal überlegt, was es für ein Aufwand ist, zum Beispiel ein Auto herzustellen, von Metallen aus dem Boden oder Stein herauszuarbeiten bis hin zu Leder vom gezüchteten Tier zu „ernten“. Das muss man sich einmal bewusst machen. Klar ist das Meiste heute automatisiert, aber diese Steine oder dieses Tier, das fehlt irgendwo!! Mal einen Blick auf unsere Straßen, wie viele Autos fahren oder stehen denn da herum? Das fehlt doch alles irgendwo und jetzt mal ehrlich, so schnell wie wir leben wächst ein Baum nicht. Was ein Flugzeug im Bau kostet und braucht können sich die Meisten garnicht vorstellen und jeden Tag heben tausende vom Boden ab. Denkt mal an damals in Deutschland, als Berlin noch aufgeteilt war durch die Mauer. Da wurde West-Berlin unterstützt, also quasi mit Verpflegung beliefert. Und zwar nicht alle zwei Tage, nein, alle 90 Sekunden hob ein Flugzeug ab! Und zwar nur in eine Richtung, das heißt, ist ein Anflug in Berlin misslungen, ist das voll beladene Flugzeug am Ziel vorbei geflogen und wieder zum Startpunkt. 200 000 Flüge insgesamt. Das muss man sich auch einfach mal langsam auf der Zunge zergehen lassen. Und nebenher natürlich noch der normale Flugverkehr auf der ganzen Erde. Darüber hat man sich damals noch weniger Gedanken gemacht als heute, aber ich sehe trotzdem keine wirkliche Veränderung, keinen Fortschritt, außer vielleicht in der Schlagzahl. Recycling und sonstige Umwelthilfen sind ja gut, aber solange sich an dem Bewusstsein, dem Denken der Allgemeinheit nichts ändert, also jeder begreift, worum es geht und was er anrichtet, werden sich die Probleme immer weiter verschärfen und wir werden die Ausbeutung des Planeten immer schärfer zu sehen und spüren bekommen.

Dies ist ein Problem das nicht von 3 schlauen Leuten gelöst werden kann, sondern dazu muss jeder seinen Beitrag leisten. Man muss sich nur mal wieder umschauen und überlegen, was man wirklich braucht und ob man vieles nicht sogar teilen kann. Ich möchte jetzt nicht auf einen extrem minimalistischen Lebensstil eingehen, von dem ich auch sehr viel halte. Das muss jedoch jeder selbst für sich entscheiden. Ich spreche vielmehr von Anschaffungen, die man macht, weil man denkt sie wären schön zu haben, doch nicht oft nutz. Allein dafür eine Bewusstsein zu entwickeln würde sehr viel verändern, vor allem da solche meist unnötigen Anschaffungen noch aufwendiger oder ressourcenanfälliger sind als sonstige, da sie oft durch ein besonderes Herstellungsverfahren glänzen oder ihre weite Herkunft. Ganz egal was, auch Sportgeräte die fast in jedem Haushalt zu finden sind, oder auch gar eine viel zu große Wohnung, das brauchen wir meist nicht, es ist nur schön sie zu haben. Und das ist der Fehler im System, diese Einstellung nie genug haben zu können. Ich finde es gibt sehr viele Dinge die man einfach öffentlich anbieten könnte, von mir aus auch mit Beiträgen wenn es sich sonst nicht umsetzen lässt. Aber überlegt mal, jeder braucht doch zu Hause eigentlich sehr wenig und vieles das man besitzt wird eigentlich nur ganz selten genutzt. Wenn man diese Dinge sinnvoll anbietet, an öffentlich zugänglichen Stellen wo man sich vorher seine Benutzungszeit buchen kann und sich dann auch keine Gedanken um Wartung oder einen Abstellplatz machen muss. Man kann etwas einfach benutzen und legt es wieder für den Nächsten bereit. Man kommt mehr in Kontakt mir anderen Menschen, man spart eine Mengen an Geld und Platz und hat auch plötzlich viel mehr Zugriffsmöglichkeiten auf Dinge die man vorher vielleicht nicht hatte. Viele beklagen sich, sie würden gerne neue Leute kennen lernen, doch dies passiert zu Hause recht selten. Das Ganze funktioniert ja auch schon in vielen Bereichen, aber das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Leider ist dies ein Problem das nicht wie so oft einer alleine lösen kann, dies ist mehr ein politisches Problem. Da müssen alle zusammenwirken und erkennen was es für Vorzüge für alle und für den Einzelnen haben kann seinen Besitz zu Teilen. Vielleicht ist dies nicht der Text, der nun für den großen Wandel sorgen wird, doch vielleicht für den einzelnen Leser ein kleiner Reminder für die Zukunft, bewusster zu kaufen und vielleicht sogar großzügiger zu teilen.

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